Women's March, Washington, Januar 2017

Frauen in der Kunstwelt

20. Februar 2017
Carina Krause

Im Januar diesen Jahres haben sich Millionen Frauen weltweit zu sogenannten Women’s Marches versammelt, um gegen die Unterdrückung der Frau, für ihre Rechte und für Chancengleichheit zu demonstrieren. Anlass genug, um einen Blick darauf zu werfen, wie es um die Situation von Frauen in der Kunstwelt bestellt ist.

Über Jahrhunderte hinweg wurde Frauen die Aufnahme an Kunstakademien und damit der Zugang zur künstlerischen Ausbildung verweigert. Auch wenn mit Angelika Kauffmann und Mary Moser 1768 Frauen sogar zu den Gründungsmitgliedern der Londoner Royal Academy gehörten, war Frauen in Russland der Besuch von Kunstakademien erst ab Ende des 19. Jahrhunderts und in Deutschland sogar erst nach dem ersten Weltkrieg gestattet. Diese institutionellen Strukturen, die es Künstlerinnen im Laufe der Geschichte bis auf wenige Ausnahmen unmöglich machten Fuss zu fassen, hinterfragte Linda Nochlin 1971 in ihrem wegweisendem Essay Why Have There Been No Great Women Artists?. Die Herabstufung weiblicher Kreativität durch einen angeblichen Mangel an künstlerischem Genie in deren Schaffen weist sie darin zurück. Stattdessen führt sie soziale Strukturen und Rollensterotype (wie etwa das ‘schwache’ Geschlecht und die vermeintliche Unvereinbarkeit von Familie und Beruf) sowie Institutionen (neben Kunstakademien auch die auf männliche Künstler fokussierten Mäzenatentum und Handel) als Gründe dafür an.

Heutzutage sind Frauen fraglos einflussreich wie nie zuvor. Immer öfter besetzen sie Führungspositionen in großen Museen – so wurde erst vor Kurzem Maria Balshaw zur Direktorin der Tate in London ernannt und Nancy Spector wird in Zukunft die künstlerische Leitung des Guggenheim Museums in New York übernehmen. Sie betreiben erfolgreiche Galerien, zu nennen wären hier unter vielen anderen Marian Goodman, Victoria Miro, Monika Sprüth oder auch die kürzlich verstorbene Barbara Weiss. Namhafte Künstlerinnen wie Marina Abramović, Tracey Emin, Yayoi Kusama und Cindy Sherman haben gefeierte Einzelausstellungen auf der ganzen Welt und ihre Arbeiten erzielen hohe Preise. Immer mehr Frauen schaffen es auf die Power 100-Liste der Zeitschrift Artreview, die jährlich die einhundert einflussreichsten Personen der internationalen Kunstwelt erfasst, und den Kunstkompass, eine als Orientierungshilfe für Kunstsammler und Investoren gedachte Aufstellung, die mittlerweile beim Magazin Weltkunst erscheint. Man könnte meinen, Frauen und Männer begönnen von der gleichen Ausgangsposition und Geschlechtergleichstellung sei bereits erreicht.

Aber diese Erfolgsgeschichten sind die Ausnahme, nicht die Regel, und Chancengleichheit liegt noch in weiter Ferne. Eine Studie des Instituts für Strategieentwicklung stellte 2013 fest, dass nur jeder vierte der von deutschen Galerien repräsentierten Künstler|innen weiblich ist. Ein Desinteresse von Seiten der Frauen ist sicherlich nicht der Grund für diese Zahlen, liegt doch der Frauenanteil unter den Kunst-Studenten schon seit Jahren kontinuierlich über 50%. Auch die Bilanz der 2016 vom Deutschen Kulturrat in Auftrag gegebene Studie Frauen in Kultur und Medien ist ernüchternd – Chancen für Frauen und Männer sind im Kunstbetrieb noch immer ausgesprochen ungleich verteilt. Frauen sind in Galerien unterrepräsentiert, Spitzenjobs in Museen werden immer noch vorrangig an Männer vergeben, zudem verdienen Frauen weniger als ihre männliche Kollegen. Selbst die Zahl bekannter Kunstsammlerinnen nimmt sich im Vergleich zu denen ihrer männlichen Pendants erschreckend gering aus. Geschlechterasymmetrie ist also noch immer quicklebendig.

Aber so sind auch deren Gegner. Die Guerrilla Girls, eine Gruppe von Künstlerinnen die 1985 mit ihrer Frage Do women have to be naked to get into the Met Museum? Less than 5% of the artists in the modern art sections are women, but 85% of the nudes are female (Müssen Frauen nackt sein, um ins Met Museum zu kommen? Weniger als 5% der modernen Kunst ist von Frauen, aber 85% der Akte sind weiblich) die Aufmerksamkeit erneut auf geschlechterspezifische Ungleichheit lenkte, ist auch 2017 aktiv um diesen und andere Rückstände zu adressieren. Auch Frauenkulturpreise, wie er zum Beispiel alle zwei Jahre vom Landschaftsverband Rheinland verliehen wird, helfen dabei dieser Benachteiligung entgegenzuwirken.

Noch bis 19. März 2017 läuft im Städel Museum in Frankfurt die Ausstellung Geschlechterkampf. Nähere Informationen finden Sie hier.