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It’s all about Data!

15. März 2017
Prof. Dr. Alex Buck

Ja, die aktuell laufende TEFAF ist wieder das „Museum der Welt“, oder wie das Handelsblatt schreibt „Die Tefaf-Messe versammelt wieder von allem das Beste: Barockbilder und moderne Meister, Schmuck, Handschriften, Skulptur und Design“. Die Preview war glamourös wie immer, altes und neues Geld waren vereint im Interesse daran, „das Neue im Alten zu entdecken“ (Handelsblatt). Art-Business as usual?

Nicht ganz, denn hinter den Kulissen tut sich einiges, und das hat weniger mit dem Angebot im Eigentlichen zu tun, sondern mit den Informationen darüber. Seit 2000 findet parallel zur Messe eine Veranstaltung statt, auf der der jeweils aktuelle „Tefaf Art Market Report“ vorgestellt wird, eine jährliche Bestandsaufnahme zum wirtschaftlichen Hintergrund all der oben beschriebenen Superlative, und das nicht nur bezogen auf die Tefaf, sondern auf den Kunstmarkt weltweit.

Diesen Report stellte Clare McAndrew mit Ihrer Firma im Auftrag der Tefaf zusammen. Ein hoher Reputationsausweis, der belegte, dass der Messe nicht nur das Agieren in den angrenzenden Hallen am Herzen liegt, sondern auch die Analyse der dahinterliegenden Motive, Prozesse, Wertschöpfungen und anderer Meta-Aspekte des Kunstmarktes. Im November letzten Jahres erreichte uns dann die Nachricht, dass die Art Basel McAndrew und Team abgeworben hatte. Touchè! Zeitlich parallel dazu kaufte Sotheby’s den Mei-Moses-Index, einen der weniger harten Indikatoren für Wertaspekte innerhalb des Kunstmarktes – offensichtlich war das Rennen um die besten Daten eröffnet.

Zur diesjährigen Tefaf gab es wieder einen Art Market Report, zusammengestellt von Prof. Rachel Pownall, einer ausgewiesenen Expertin des Kunstmarktes. Was hat sich geändert? Eventuell das Interesse, denn das Auditorium war mehr als gut besucht, eine bunte Mischung aller im Kunstmarkt Tätigen, keineswegs nur akademische Nerds oder Marktesoteriker. Offensichtlich ist das Thema Data breit angekommen und das Wissen darüber wird zunehmend als notwendige Grundausstattung verstanden.

Aus der Breite der Analyse zwei Heraushebungen:

1. Die globalen Verkäufe im Kunstmarkt weltweit haben sich signifikant von den Auktionshäusern hin zu den Händlern verschoben. Der Kunstmarkt 2015: 44 Mrd. Dollar, davon gut 23 Mrd. Händler und 21 Mrd. Auktionshäuser, der Kunstmarkt 2016: 45 Mrd. Dollar, davon knapp 28 Mrd. Händler (+20%) und knapp 17 Mrd. Auktionshäuser (-19%). Das klingt nach einer Überraschung, ist es wohl auch – wenn die Zahlen stimmen. Das vielbeschworene Ende des “stationären Handels“ scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Die Begründung des Art Market Reports ist, dass die Transparenz der Auktion sich mehr zum Nachteil verkehrt, die Diskretion und Kompetenz des Handels zunehmend geschätzt wird. Das klingt zu glaubhaft um ganz falsch zu sein. Es bleiben allerdings methodische Fragen. Die Verkäufe der Auktionshäuser sind absolut transparent, die aggregierten Zahlen der globalen Händlerschaft sind ungleich schwerer zu beschaffen und zu bewerten. Prof. Pownall beantwortet das mit dem Hinweis auf spezifische Zugänge zu nationalen statistischen Materialien, die sie im Rahmen ihrer akademischen Forschungen hätte. Möge sie Recht haben!

2. Die Hierarchie der globalen Topseller im Kunstmarkt verschiebt sich weiter Richtung Asien. Der Leader der “Top 20 Artists by Sales Volume at Auction” ist und bleibt Pablo Picasso, allerdings mit krachenden minus 50% gegenüber dem Vorjahr. Andy Warhol (Top 8) minus 68%, Francis Bacon minus 63%, Cy Twombly minus 65% und selbst unser Hero Gerhard Richter mit immerhin nur minus 8%. Unter den Top 5 sind 2016 drei chinesische Künstler (jeweils +46%, +21%, +71%), unter den Top 10 sind es fünf. Es ist eine große Verschiebung in der Tektonik des globalen Kunstmarktes, die hier signifikant sichtbar wird.

Um das zu verstehen braucht man Daten, die deutlich über den üblichen Erfahrungshorizont hinaus gehen. Und dafür braucht man auch in Zukunft den Tefaf Global Art Market Report. Wenn es hier in Zukunft mehr Anbieter von hochwertigen Informationen geben sollte, um so besser. Unabhängig davon ist und bleibt die Tefaf die grandioseste Messe der Welt.

 

In der New York Times vom 23. März 2017 wurde ein Artikel zum Thema Datenanalyse veröffentlicht.