one of the staircases in the former berlin art squat, Kunsthaus Tacheles

Das Gallery Weekend – Trittbrettfahrer der Berliner Kunstszene?

22. Mai 2018
Carina Krause

Das „Galeriensterben“ ist schon seit Längerem ein Thema. In letzter Zeit scheint die Zahl der Galerieschließungen allerdings rasant zuzunehmen. Werner Tammen, Vorsitzender des Landesverbands Berliner Galerien e.V., benennt die Zahl der Galerien in der Hauptstadt mit etwas über 300. Ein ziemlich dramatischer Rückgang, wenn man bedenkt, dass es vor wenigen Jahren noch fast 400 Galeriebetriebe gab.

Als einer der Hauptgründe für diese Entwicklung wird, neben steigenden Mieten, immer wieder die Vormachtstellung der großen Galerien angeführt, die den kleineren die Sammler – und somit ihre Lebensgrundlage entziehen. Die großen Galerien werben den kleineren die Künstler ab, die diese aufgebaut haben. Auch, um ihr Ausstellungsprogramm zu befüllen, das mit der Zahl der Zweigstellen – oft zusätzlich zu ihren Dependancen in New York, Paris und London – immer stärker anwächst.

Das Gallery Weekend in Berlin, das dieses Jahr zum 14. Mal stattfand, gibt den kleineren Galerien die seltene Möglichkeit, dies zurechtzurücken.

Um am Gallery Weekend teilnehmen zu dürfen, mussten die Galerien jeweils 7.500 Euro zahlen, waren dafür aber auf dem offiziellen Plan verzeichnet und durften einen exklusiven Limousinenservice in Anspruch nehmen. Auch wenn die Zahl dieser Galerien auf 47 beschränkt war – die Zahl der Galerien, die an diesem Wochenende geöffnet hatten und von der Anwesenheit der nationalen und internationalen Kunstsammler in der Stadt profitierten, dürfte diese Zahl um ein Vielfaches übersteigen.

Dass allerdings auch Auktionshäuser wie Christie’s, Van Ham und Grisebach die Chance nutzten, dass sich die Kunstwelt an diesem Wochenende in Berlin versammelt hatte, ging den offiziell teilnehmenden Galerien dann doch zu weit. Doch die Kritik half wenig – mit ihren Ausstellungen machten die Auktionshäuser trotzdem auf sich aufmerksam.

Das Konzept „Gallery Weekend“ bekommt nicht von allen Seiten Applaus und Zustimmung. Die lautstärkste Kritik kam von Christian Siekmeier, Gründer der EXILE Galerie, der in einem Instagram-Post die Aufnahmekriterien in den Insiderclub „Gallery Weekend“ hinterfragte und die Macher beschuldigte, Klassenunterschiede zu schaffen und kritische Meinung zu unterdrücken, gleichzeitig aber die fantastische Vielfalt der Berliner Kunstwelt als Trittbrett auszunutzen.

Die Ausstellungen und Veranstaltungen, die außerhalb der streng gesteckten offiziellen Grenzen des Gallery Weekends stattfanden, waren ohnehin meist die weitaus interessanteren. Besonders zu erwähnen sei hier die Netzwerk-Ausstellung Ngorongoro II in Berlin-Weissensee, auf der weit über 100 Künstler ihre Arbeiten präsentierten.

Dass Berlin, ungeachtet seiner Probleme, als Kunstmetropole immer mehr an Bedeutung gewinnt, davon zeugt, dass die renommierte New York Times ihre Art-Leader-Network-Konferenz diesen April erstmals in Berlin abhielt. Auch die Macher der Art Monte-Carlo, die am selben Wochenende stattfand, sind von der Wichtigkeit Berlins überzeugt. So sehr, dass sie ihren Sammler einen recht noblen Shuttle-Service mit Privatjets zum Berlin Gallery Weekend ermöglichten!

Berlin, der Kunststandort scheint sich also um seine Zukunft keine Sorgen machen zu müssen. Hoffen wir, dass alle, die auch nur im Entferntesten mit dem Kunstbetrieb zu tun haben, daran teilhaben werden.