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Sigmar Polke – Gerhard Richter: Schöne Bescherung, Grafiketage, Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen

8. Juni 2016
Carina Krause

Um es gleich vorweg zu nehmen: die Ausstellung Sigmar Polke – Gerhard Richter: Schöne Bescherung in der Grafiketage des Museum Schloss Morsbroich in Leverkusen macht Spaß. Das ist vor allem Polkes Arbeiten zu verdanken, die größtenteils als Faksimiles uneditierter Collagen und Zeichungen die ungestüme Herangehensweise des Künstlers dokumentieren.

Die Schau ist Zeugnis einer frühen Künstlerfreundschaft, die in den 1960er-Jahren beginnt, als Richter und Polke in Düsseldorf studieren. Gemeinsame Arbeiten, wie Hotel Diana (Butin 12, 1967) und Umwandlung (Butin 14, 1968) zeigen auf, wie sie sich gegenseitig inspirieren und Impulse geben. Wenig später entwickeln sie sich jedoch künstlerisch in verschiedene Richtungen und ihre Wege trennen sich, auch privat.

Gemälde, Grafiken, Zeichnungen und Aquarelle führen den Besucher in einem völlig ungezwungenen Dialog durch das Œuvre beider Künstler. Den Höhepunkt dieser Ausstellung bildet ein langer Raum in dem Richters November (Butin 156, 2012) und Polkes Stenogrammheft in Faksimile (1985) gegenübergestellt sind. Hier werden, wie in keinem anderen Bereich der Ausstellung, die Gemeinsamkeiten sowie auch die Unterschiede im Ansatz der beiden Künstler sichtbar. Zwischen den Arbeiten, jeweils Experimente mit dem Verlauf farbiger Tinte auf Papier, liegen etwa 30 Jahre. Richters Serie, vom Künstler sorgfältig editiert, wirkt weitaus kühler und zurückhaltender als die Polkes, die völlig unbearbeitet eine enorme Lebendigkeit verbreitet.

Diese Vitalität wird auch in einer anderen Serie Polkes deutlich, einer Collage verschiedener Zeitungsausschnitte der Weihnachtszeit 1985: original in Buchform umgibt sie hier als Faksimile den Betrachter wie ein bizarrer, doch unterhaltsamer Wandteppich. Die Arbeit scheint, nicht nur räumlich, eine Fortführung der Serie Diabolik (1979) zu sein, in der Polke ebenfalls Zeitungsausschnitte verwendet, um die Sprechblasen eines italienischen Comics mit deutschen Kommentaren zu füllen. In anschließenden Räumen finden sich originale Fotografien und eine Reihe tiefschichtiger farbenfroher Umschlagentwürfe, die die Entstehung von Richters Künstlerbuch Eis (Butin 58, 1981) illustrieren und einen der Glanzpunkte der Ausstellung bilden, sowie mehrere großformatige Gemälde, die allein einen Besuch wert sind.

Sigmar Polke – Gerhard Richter: Schöne Bescherung ist noch bis zum 28. August 2016 geöffnet.

 

 

 

 

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