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Tefaf Art Market Report 2016

12. April 2016
Carina Krause

Seit 2008 präsentiert die Ökonomin Dr. Clare McAndrew jährlich den Tefaf Art Market Report. Ihr Bericht beruht auf der Auswertung einer Befragung von Auktionshäusern, Kunsthändlern, Sammlern sowie Informationen verschiedener Datenbanken aus den Bereichen Kunst und Finanzen. Bei der diesjährigen Präsentation schien es nur ein Thema zu geben: Steht die Blase, in der sich der Kunstmarkt zweifellos seit Jahren befindet, kurz vorm Platzen? Ist sie möglicherweise gerade dabei es zu tun?

Die Anzeichen dafür sind da: zum ersten Mal seit 2011 verzeichnet der Kunstmarkt einen Wertrückgang, und zwar um 7% im Vergleich zum Vorjahr und auch die Anzahl der Transaktionen ging um 2% zurück. Doch befinden wir uns tatsächlich am gleichen Punkt wie Ende 1990, als der Markt einen Zusammenbruch erlitt und Christie’s und Sotheby’s, die zwei führenden Auktionshäuser, wenige Monate später sogar ihre Londoner Frühjahrsauktionen absagten?

Die irrationalen Preise, die Ende der 1980er Jahre vor allem für impressionistische Kunst gezahlt wurden, und der folgende Absturz insbesondere dieses Marktes 1990 wurden hauptsächlich durch spekulative Käufe japanischer Investoren verursacht. Mit Krediten finanzierten sie Kunstwerke, die sie zu völlig überhöhten Preisen ersteigerten. Die Kredite waren meist mit Immobilien abgesichert. Als die Immobilienblase platze, hatte das, gepaart mit einer Konjunkturkrise in den USA, fatale Auswirkungen auf den Kunstmarkt. Die Finanzkrise 2008/09 bescherte dem Markt einen weiteren Zusammenbruch.

Im Jahr 2015 erwirtschaftete der Kunstmarkt knapp $64 Milliarden weltweit. Das sind etwa $4 Milliarden weniger als im Vorjahr aber im Großen und Ganzen ist der Wert des globalen Kunstmarktes in den letzten 10 Jahren um 78% angestiegen. Auch von der letzten Krise, die 2009 abflachte, hat sich der Markt mit einem Zuwachs von 61% gut erholt.

McAndrew selbst glaubt nicht an ein imminentes Platzen der Blase. Sie begründet die fallenden Zahlen damit, dass Verkäufe ein derart hohes Niveau erreicht haben, dass ein stetiges Wachstum im sowieso limitierten Kunstmarkt nur schwer beibehalten werden kann. Zudem weißt sie darauf hin, dass der Rückgang nicht alle Gebiete betrifft: der US-Markt hatte zum Beispiel ein sehr gutes Jahr mit steigenden Umsätzen. Es ist der um Vieles ruhiger gewordene chinesische Markt, dem die sinkenden Gesamtzahlen zuzuschreiben sind.

Das der Kunstmarkt derzeit wieder sehr aufgeheizt ist, steht ohne Frage fest. Finanzspekulationen treiben die Preise immer weiter in die Höhe. Käufer, die aus Liebe zur Kunst und Künstler kaufen sind wohl in der Minderheit. Kunst wird heute eher als Spekulationsobjekt und als Statussymbol erworben. Kein Sammler, der was auf sich hält, kommt heute noch ohne Warhol, Bacon oder Richter aus.

Das ist auch den Auktionshäusern bewusst. Oft gelingt es ihnen aber nur durch hohe Preisgarantien und ambitionierte Schätzpreise die seltenen Meisterwerke, nach denen die Käufer verlangen, für ihre Auktionen zu gewinnen. Im Moment sieht es danach aus als ob durch diese Preispolitik die Nachfrage etwas ins Stocken geraten wäre. Der globale Auktionsmarkt erreichte 2015 einen Umsatz von rund $30 Milliarden, das sind 9% weniger als noch im Jahr zuvor. Dennoch konnte der Bereich der Verkäufe von über $1 Million in den letzten 10 Jahren einen Anstieg um 400% verzeichnen, jener der Verkäufe ab $10 Millionen sogar um unglaubliche 1.000%. Auf den ersten Blick deuten diese Zahlen auf einen erfreulich regen Geschäftsverkehr im oberen Preissegment. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn dieser massive Anstieg hat alle Merkmale einer Blase – sehr aktiver Handel, überzogene Preise – und weist in der Konsequenz auf eine eventuell anstehende Korrektur des Marktes hin.