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Gibt es zu viele Kunstmessen?

14. September 2017
Carina Krause im Interview mit Kunstsammler H.P.

Wir haben uns mit dem Kunstsammler H.P. über die stetig steigende Zahl von Kunstmessen unterhalten.

 

In den letzten Jahren wurden immer neue Kunstmessen ins Leben gerufen. Die neuesten Additionen sind die Satellitenmessen der Art Cologne in Berlin und der Art Basel in Düsseldorf. Wie sehen Sie als Sammler diese Entwicklung?

HP: Für mich als Sammler ist es ein zweischneidiges Schwert. Zum einen belebt Konkurrenz das Geschäft, zum anderen ist es natürlich auch sehr zeitaufwendig, jede Messe persönlich zu besuchen.

 

Kommt langsam eine Art Messe-Müdigkeit auf?

HP: Ja, das trifft es sehr gut. Mittlerweile gibt es so viele Messen, dass man sich genau überlegen muss, welche man besucht. Außerdem ähneln sich die Messen zunehmend: Schwerpunkte fehlen und so kann es leicht eintönig werden. Eine stärkere Differenzierung wäre wünschenswert. Es geht bei Messebesuchen nicht nur ums Geschäftliche, es soll ja auch noch Spaß machen.


Wie treffen Sie Ihre Wahl?

HP: Zuerst gehe ich danach, ob Galerien teilnehmen, die Künstler vertreten, die für mich interessant sind. Dann spielt die Entfernung eine Rolle und ob ich den Messebesuch mit anderen Aktivitäten verbinden kann. Manchmal gehe ich auch gern auf kleinere Messen, auf denen hauptsächlich Arbeiten lokaler oder eher unbekannter Künstler angeboten werden. Da gibt es viel zu entdecken. Natürlich sind die Galerien auch dort primär daran interessiert, zu verkaufen, aber darüber hinaus liegt ihnen auch viel daran, die Bekanntheit ihrer Künstler zu erhöhen.

 

Glauben Sie, dass die immer steigende Zahl an Kunstmessen auf Dauer mit qualitativ hochwertigen Arbeiten bestückt werden kann?

HP: Diese Frage lässt sich für mich als Laien nur schwer beantworten. Ich denke, Primärgalerien, die ihre eigenen Künstler präsentieren, dürften keine Probleme haben, immer wieder neue und gute Arbeiten vorzustellen. Im Sekundärmarkt sieht das vermutlich anders aus. Wo sollen denn die Arbeiten – am Besten alles Meisterwerke und noch dazu frisch zum Markt – auf einmal herkommen? Klar tauchen solche Arbeiten immer wieder auf, aber eben nicht in einer so hohen Anzahl, dass man damit mehrere Messen bestücken könnte. Zweifellos sind Messen nach wie vor wichtig, um Kunst zu verkaufen, aber ich frage mich, wenn Galeristen von einer Messe zur nächsten hetzen, bleibt dann noch Zeit für den normalen Galeriebetrieb? Lohnt sich dann ein Galerienbetrieb als solcher überhaut noch? Schließlich hat man auf einer Messe weitaus bessere Möglichkeiten Kontakte zu knüpfen und Sammler und Kuratoren kennenzulernen, die vielleicht nicht den Weg in die Galerie finden würden.

 

Sind Messen für Sammler zum Einkauf überhaupt attraktiv oder dienen sie eher als Schaufenster?

HP: Ich persönlich nutze Messen eher zum Schauen. Es sei denn es gibt eine Arbeit, die ich unbedingt besitzen möchte. Bevor sie mir ein anderer wegschnappt, gebe ich dann eventuell doch etwas mehr aus. Aber ich habe ein Budget, das ich dabei nur in den seltensten Fällen überschreite. Mein Etat wird sich übrigens nicht erhöhen, nur weil irgendwo eine neue Messe eröffnet. Einzelausstellungen in Galerien sind mir generell lieber und ich finde sie auch wichtiger als einen Messestand, um mich zu informieren. Auf einer Messe bekommt man meist nur ein, zwei Bilder eines Künstlers zu sehen, was man wahrlich keine repräsentative Werkgruppe nennen kann; in einer Galerie ist das anders. Auch die vielen Menschen und den Lärmpegel auf einer Messe finde ich eher störend. In Galerieräumen habe ich Zeit und Ruhe, mir die Kunstwerke eingehend anzusehen.

 

Die MCH Group, zu der die Art Basel gehört, hat in der Pressemitteilung zur Beteiligung an der Art Düsseldorf geschrieben, dass sie regionale Kunstmärkte stärken möchte. Braucht das Rheinland diese Förderung tatsächlich oder ist das eher ein klares Zeichen Richtung Art Cologne? Deren Direktor, Daniel Hug, sieht die neue Messe direkt vor der Haustür zwar nicht als Konkurrenz – Art Düsseldorf findet im Herbst, Art Cologne im Frühjahr statt – kritisiert aber die stetige Ausweitung der Art Basel als „eine Form von Kolonialismus“. Marc Spiegler, Direktor der Art Basel widerspricht und stellt zudem fest: “Jede Messe generiert neue Märkte und neue Sammler”. Was halten Sie davon?

HP: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gerade im Rheinland noch Märkte gibt, die ihrer Erschließung harren. Dass neue Messen neue Sammler generieren ist gut möglich. Aus eigener Erfahrung muss ich aber sagen, dass ich auf Messen oft denselben Leuten begegne, seien es Galeristen oder Sammler. In wenigen Tagen beginnt die Berlin Art Week. Dort werden viele Galerien ausstellen, die auch auf anderen Messen vertreten sind. Das Publikum wird in Berlin natürlich etwas anders sein als das in Köln oder Basel oder New York, aber ob diese potentiellen Käufer tatsächlich auch einen neuen Markt kreieren können, das sehe ich eher skeptisch.

 

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